Schulpartnerschaftsprojekt "Helefen macht Schule"
Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und Äthiopien
„Helfen macht Schule“.
„Uns trennen Welten, uns verbindet das Sein.“
Zitat aus dem Song „makana*“ (mutabor)
Zum Projektvideo: http://vimeo.com/3488786
Seit 1996 fährt der Sänger- und Songschreiber der Band Mutabor nach Äthiopien. Aus einem Studienbesuch als Ethnologiestudent entstand ein anhaltendes Interesse für das ostafrikanische Land. Einige Impressionen aus diesen Reisen sind seit dem in Musik und Texten von Mutabor mit eingeflossen. Auf seinen beiden letzten Reisen nach Äthiopien (2008 und 2009) begeleitete der Sänger eine Hilfsorganisation und gab mehrere Konzerte an äthiopischen Schulen. Die exotisch anmutende Mischung von deutscher und äthiopischer Sprache, die der Sänger in einigen Songs verwendet, machte ihn schnell in der äthiopischen Musikszene bekannt. Mit seinem Soloprojekt „Axl Makana“ gab er mehre Konzerte und spielte mit äthiopischen Bands in Klubs und auf Festivals in Äthiopien. Zurück in Deutschland übernahm Axel die Patenschaft für eine Schule in Brandenburg, wo er im Rahmen des Projekttages „Schule mit Courage – Schule ohne Rassismus“ einen Vortrag mit dem Titel „Reisen gegen Vorurteile“ hielt. Er berichtet über seine Erfahrungen in Äthiopien und die Besuche an den äthiopischen Schulen. Bei der anschließenden Diskussion mit Schülern und Lehrern entstand die Idee, eine Partnerschaft zu äthiopischen Schulen aufzubauen. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, nicht nur einseitige Hilfe in Form von Hilfsgütern zu leisten, sondern auch den kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern zu fördern und den deutschen Schülern die Möglichkeit zu geben, durch ihr eigenes Engagement die andere Kultur kennen zu lernen. Auf einem Aktionstag für Afrika sammelte die Schule 3000€, wovon im Januar 2009 Hilfsgüter für 900 Schüler in Äthiopien gekauft und übergeben wurden. Inspiriert von diesem Pilotprojekt bereitet der Sänger nun eine deutschlandweite Kampagne für Schulpartnerschaften mit Äthiopien vor, die zum Ziel hat äthiopische Schulen mit Solarstrom zu versorgen und die Lern- und Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Beiliegendes Video dokumentiert die Übergabe der Hilfsgüter in Äthiopien.
* makana (äthiopisch) beschreibt ein ekstatisches Hochgefühl der menschlichen Verbundenheit.
Äthiopien 2009
Salamta liebe Freunde, liebe Familie
bevor ich mich nun morgen frueh mit dem Bus zu den Quellen des blauen Nils / Lake Tana aufmache, willl ich euch nun endlich noch einen kleinen Lagebericht schreiben. Vorher ging es irgendwie nicht... Schreibblockade - Kulturschock. Ich bin gut in Addis gelandet, obwohl erstmal keiner da war, der mich abholen wollte - die Ethiopier zaehlen die Zeit anders. Die Stunden werden von Sonnenauf- bzw. -untergang an gezaehlt. Daher bedeutet hier 3.15 Uhr/ 9.15., was die Verabredung vereitelte. War aber letztendlich alles kein wirkliches Problem, denn ich habe dann noch einen anderen Freund erreicht, der dann 20 Minuten spaeter da war und mich zu meiner gemuetlichen Pension brachte. Alles gut. Am Silvesternachmittag hatte ich dann gleich eine Einladung zu einer KAT-Sitzung und somit meinen makanischen Katalysator, der mir das Ankommen in dieser anderen Welt erleichterte. Angenehm verzaubert ging es dann weiter in eine traditionelle Kneipe, wo ich ein paar Musiker wieder traff, die ich letztes Jahr kennen gelernt hatte. Sami, den ich noch aus Berlin kenne, schleppte mich danach noch in einen Live-club. Neben der Buehne befand sich eine Feuerstelle, die von einem aelteren Mann mit liebevoller Hingabe betreute wurde. Er schaute die ganze Zeit nur ins Feuer und widmete sich voll und ganz der Aufgabe, das Feruer mit neuen Holzstuecken zu fuettern und auf gleicher Hoehe zu halten. Dieses Feuer waermte nicht nur aeusserlich, sondern auch herzlich, was meiner etwas melancholischen Stimmung seeeeehr wohl tat und ein schoener Anfang fuers neue Jahr war.
Die naechsten Tage unternahm ich mehrere Ausfluege in die Stadt und Umgebung von Addis. Der Autoverkehr scheint noch stauiger geworden zu sein. Die Abgase, der Laerm und die vielen vielen Menschen machen so ein Unternehmen nicht gerade zu einem unbeschwerten Spaziergang. Ausserdem waren meine Schuhe noch nicht eingelaufen und drueckten.
Die Stadt platzt aus allen Naehten und wirkt wie eine grosse Baustelle. Ueberall ragen zwischen den Wellblechhuetten unfertige Hochhaeuser empor an denen ca. 100 Menschen wie Ameisen herumwerkeln. Keiner weiss, wer in all den grosspurigen Gebaeuden einziehen soll und viele Bauvorhaben mussten im Strudel der Finanzkrise schon eingestellt werden, da die Kredite nicht ausreichend gedeckt waren. Die Zeitungen berichten sogar von Investoren , die sich das Leben genommen haben. Das ganze Ausmass ist aber noch nicht abzusehen. Ueberall wuseln Strassenhaendler, Losverkaeufer, Schuhputzer und bettelnde Kinder umher, huppende klapprige Autus rasseln durch die Strassen und pumpen ihre Abgase in die Luft, Viehherden kreuzen die Strassen, Ziegen pullernn am Strassenrand. afrikanisches Caos. Von den Kirchen schmettern die Priester ihre wie Propaganda wirkende Gebetsansprachen in die voellig ueberforderten Lautsprecher in die Umgebung. Aber trotz all dem Elend sind die Menschen hier stehts freundlich und ihr Laecheln erleichter das aus unserer Sicht Unfassbare.
Der Trip zu den Schulen war anstrengend, heiss und staubig, aber erfolgreich. Die Kinder begruessten uns singend - makana scheint das neue Begruessungslied fuer die weissen Auslaender geworden zu sein. Es war bewegend ihre Freude ueber das Wiedersehen zu erleben. Es gibt noch viel zu tun aber gerade die kleinen Schritte bringen hier mehr voran, als die grossen Aktionen. Leider ist die Qualitaet der Ausbildung hier auf dem Land nicht besonders hoch und selbst der Englischlehrer scheint kaum Englisch zu verstehen. In meiner Pension traf ich eine Gruppe von Lehrern aus Deutschland, die gerade eine Weiterbildung fuer Lehrer organisieren, was dringend notwendig ist, um die Bildung hier nachhaltig zu verbessern. Fuer die Schuelerfreundschaften und den Kulturaustausch im Rahmen des Schulpartnerschaftprojektes muss ich wohl hier in Addis noch einer paar andere Schulen suchen, denn eine Kommunikation auf Englisch wird mit dem Bildungsniveau der jetzigen Partnerschulen auf dem Land nicht hinhauen. Die Schueler wollen aber etwas fur die Schueler in Deutschland basteln. Mal sehen, ob das klappt.
Ich hatte auch schon zwei Konzerte in ethiopischen Kneipen/Restaurants. Meine ethiopischen Freunde kuemmern sich ganz ruehrend und ich werde vielen Leuten vorgestellt und bekomme neue Angebote fuer Konzerte. Letztens hatte ich ein laengeres Gespraech mit einem Journalisten und gestern entdeckte ich mein Bild auf der Titelseite der meistgelesen ethiopischen Zeitung inclusive einem zweiseitigem Interview im Mittelteil. Leider kann ich die Sprache nicht vestehen - aber es soll wohl gut gewesen sein. Naklar glaube ich das! So ergeben sich hier staendig neue Moeglichketen, welche die vorher gemachten Plaene wieder umwerfen und ganz neue Wege eroeffnen. Eigentlich wollte ich ja von Addis aus gen Sueden reisen, doch nun ergab sich ein Engagement fuer ein Konzert mit einer ethiopischen Band im Norden in der Koenigsstadt Gondar. Eine ethiopische Brauerei, die Bier nach deutschem Reinheitsgebot braut - schmeckt wirklich gut- veranstaltet dort zu Timkat, einem der bedeutesten Feste in Eth., ein Festival mit vielen andern eth. Saengern und der grosszuegige Eigentuehmer will mich da als Exoten bzw. deutschen Vertreter dabei haben. Ich bekomme alles bezahlt und sogar ne Gage. Deswegen werde ich nun also morgen schon etwas frueher mit dem Bus los fahren, um vorher noch den Tanasee sowie den Siemennationalpark zu erkunden. Ich mache mir hier nicht so viele Gedanken wie zu Hause, da es eh alles anders kommt als geplant und nix nuetzt... Gestern bin ich zu Fuss auf den hoechsten Berg in der Naehe von Addis - den Entoto gelaufen. Endlich mal wieder frische Lufu atmen und eine weiten Ausblick haben. Es wird Zeit, dass ich endlich in die Spur komme und noch etwas Landschaft erlebe. Abends war ich dann noch auf eine eth. Hochzeitsfeier eingeladen. Ueppiges Banket mit Band und ca. 300 Gaesten, die am Ende alle im Kreis den traditionellen Tanz (iskista) tanzten, bei dem die Schulter und der Oberkoerper ruckartig vor und zurueck bewegt werden. uuund oh Wunder, heute tut mir meine Schulter, die mich in D die letzte Zeit geplagt hatte nicht mehr weh.
Oh! es ist schon spaet und ich muss mich gleich in den hupenden und stinkenden Autojungle von Addis stuerzen, um meine Fahrkarte fuer morgen zu besorgen. Entschuldigt meine Sauklaue und die sicherlich zahlreichen Fehler, ich habe keine Zeit nochmal alles durchzulesen und die Tastatur ist hier eh voellig falsch belegt.
Ich hoffe ihr seid gut ins neue Jahr gerutscht - es soll ja bei euch bitter kalt sein - ich wuensche euch dass es eines der gluecklichsten, liebevollsten und aber auch sonnigsten wird...
Seid ganz lieb gedrueckt . Auf bald
bye bye dechna deru axel
Blitzkonzert - Straßentheater-Festival
Was macht eigentlich ...
Liebe Makana Freunde,
sicherlich werdet ihr euch gefragt haben, was ich über die letzten Wochen so getrieben habe. Hier kommt ein kleiner Bericht:
Im Juli überkam mich das Reisefieber und ich bin erstmal an die Ostsee gefahren und habe dort in Binz an der Seebrücke ein paar Straßenkonzerte gegeben, am Strand gesessen und mit meiner Gitarre neue Lieder eingefangen. Vom Ostseewind zerzaust und mit neuen Ideen im Kopf ging es dann weiter nach Holland, wo ich einen Freund auf der Insel Overflakee in der Nordsee besucht habe. Sehr gemütliches Fleckchen mit breiten Stränden und reichlich Wind und Wellen. Auf dem Rückweg war ich dann noch in Amsterdam, wo mir eine Freundin von der Danziger Bocht (dort, wo wir 2005 unser „Mal wieder nach Amsterdam fahren“ – Zeltlager aufgeschlagen hatten) ein Konzert in einem Coffee-Shop organisiert hatte. MariahHuana ist dort jetzt auch nicht mehr so frei, wie es früher mal war, das heißt man kann die Inkredenzien zwar noch in besagten Shops kaufen, allerdings nicht mehr dort rauchen, sondern muss dafür vor die Tür gehen. Das Blitzkonzert war ziemlich lustig und ich habe es genossen, die verdutzten Leute nur mit Gitarre und Gesang zu betören. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass mein Verhältnis zu Mariah sich in den letzten Jahren eh ziemlich verändert hat und wir nur noch selten kommunizieren. Sie ist ein Fenster für eine andere Wahrnehmung, jah, doch wenn dieses Fenster regelmäßig auf ist, verliert sich dieser Effekt und ihre süßen Arme können einen vereinnahmen und man verträumt das Leben. Wie mit allen Liebesgeschichten ist die Voraussetzung für eine harmonische Beziehung, dass jeder Mensch bei sich bleibt, sich selbst liebt und wahrnimmt und den anderen nicht als Identitätsersatz benutzt.
Als ich dann wieder in Berlin war, hatte ich eine Einladung nach Rom in meinen Mailbriefkasten und nach dem Konzert auf dem Bike`n Roll-Festival fuhr ich direkt zum Flughafen.
Auf meiner letzten Reise nach Äthiopien hatte ich Laura, eine italienische Fotografin kennen gelernt, die mich nun zu sich eingeladen hatte. Ich hatte keine Ahnung was mich dort erwarten würde und war umso überraschter, als ich dann in Rom ankam. Sie erwartete mich am Flughafen, lud mich und meinen Rucksack in ihr Auto und wir fuhren in ihre Wohnung, wo ich ein eigenes Zimmer bekam und mich ausbreiten konnte. Die nächsten Tage unternahmen wir mehrere Ausflüge ans Meer, an einen wunderschönen See – Lake Martignano und zu den historischen Plätzen von Rom. Das sonnige Klima (40 Grad im Schatten) und die freundliche Art der Süditaliener, machten das Reisen zu einer wirklich entspannenden Angelegenheit. Ich lernte Samir, einen guten Freund von Laura kennen, der ein sehr begabter Trommler ist. Er stammt ursprünglich aus Ägypten und trommelt hauptsächlich arabische Rhythmen. Wir hatten mehrere inspirierende Sessions in Parks und auf einer Brücke in der Altstadt, wobei einige neue Songideen entstanden. Auf www.youtube.com (axl makana) gibt es demnächst auch ein Video davon zu sehen.
Zwischen Laura und mir entwickelte sich eine geschwisterliche Freundschaft und wir stellten fest, dass uns gerade die gleichen Lebensfragen beschäftigten. Wir verstanden uns ohne viele Worte und inspirierten uns gegenseitig für unsere kreativen Ambitionen. Laura machte in dieser Zeit wunderschöne Fotos, die ihr auf ihrer homepage: www.lauratodaro.it bewundern könnt.
Nach einer Woche Italien waren meine Lebensgeister vollends erfrischt und es war an der Zeit, nach Berlin zurück zu kehren. Hier wartete einige Arbeit auf mich, da ich ja gerade eine Schulpartnerschaft zwischen Äthiopien und Deutschland organisiere. Wie ich ja schon in einer anderen Rundmail geschrieben hatte, gibt es mittlerweile das erste Pilotprojekt dieser Art zwischen dem Gymnasium „Am Burgwall“ in Treuenbrietzen/Brandenburg und zwei äthiopischen Schulen. Die Schule in Treuenbrietzen hat im Juni auf einem Aktionstag „Go for Afrika“ sagenhafte 3000€ gesammelt, wovon nun Schul- und Lehrmaterial für zwei äthiopische Schulen gekauft werden.
Ziel diese Projektes ist es zum einen, durch Reisevorträge einen Einblick in unbekannte Länder und Kulturen zu geben, um so fremdenfeindliche Vorurteile an Schulen abzubauen und zum anderen, Schulpartnerschaften zwischen den Schulen beider Länder aufzubauen. Darüber hinaus wollen wir mit diesem Projekt den Kulturaustausch zwischen Äthiopien und Deutschland fördern. Das Ganze läuft unter der Überschrift „Helfen statt Hassen“ und kann zum nächsten Schuljahr auch an EURER Schule stattfinden! Ich werde das Projekt, aber hier noch ausführlicher zu Beginn des neuen Schuljahres vorstellen!
Großen Dank gebührt an dieser Stelle den Schülern und Lehrern des Gymnasiums „Am Burgwall“, die durch ihr Engagement für eine „Schule mit Courage“ ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit in Brandenburg gesetzt haben. Nicht zuletzt ist die Idee für dieses Projekt hier entstanden und ich hoffe und wünsche, das bald ganz viele Schulen diesem Beispiel folgen und einen Wettbewerb der „Fremdenfreundlichkeit“ ins Leben rufen.
Bleibt nur noch zu sagen, dass das Konzert mit dem Ohrkesta am.letzten Sonntag in Hannover grandios, ja geradezu makanisch war und ich mich über die zahlreichen Mails sehr gefreut habe.
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tournews
Hallo Makanier,
hier mal wieda ein Lebenszeichen und neue Tour-Fotos.
Ja Ja auf dem Karneval der Kulturen war meine Erregung so groß, dass es quasi durch den Hosenschlitz hinaus wollte oder meine Hose wollte sich meiner entledigen. Wie auch immer die Stimmung war großartig.
Übrigens gibt es diesen Sommer natürlich auch wieder Blitzkonzerte(Straßenkonzerte).
Ab Juni werde ich mindestens einmal die Woche im Park, auf der Straße oder anderen geeigneten und ungeeigneten Orten spielen. Wichtig ist dabei der Spaßfaktor. Ihr könnt dabei mit bestimmen, wo ich demnächst spiele. Berlin ist natürlich am dichtesten, aber ich werde auf alle Fälle auch wieder der Ostseeküste meine Aufwartung machen und für Brandenburg gibt es auch schon Ideen. Wenn ihr Vorschläge für schöne Plätze oder Lokalitäten habt, lasst es mich wissen.
Jo und ansonsten kommt doch alle nach Fast-Dänemark –Flensburg ins Kühlhaus, da sielen wir nächsten Samstag. Sehr nette Leute dort und es gibt dazu noch ne fette AfterShowParty!
Lieb grüßend axl
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on the run
Hallo Makanier,
die Tour rollt voran und wir haben viel Spaß. Vielen Dank für die freudvollen Bekundungen auf den letzten Konzerten. Gleich geht’s weiter auf ein Festival nach Haßleben. Krasser Name, aber wir werden unser Bestes geben, dass aus diesem Ort ein Liebesleben wird. Hey es macht so viel Spaß endlich wieder mit euch tu tanzen. In diesem Sinne Daumen hoch und los gefahren. Rrrrrrrrrrrunnnnn
PS.: Das Forum ist nun auch wieder auf der homepage integriert (hier im blogg oben rechts) und es gibt neuerdings auch einen Ohrkesta- Menüpunkt. Es wächst!
Neuigkeiten
Hi liebe Makanier,
Ich bin eben gerade von einem Auftritt in Treuenbrietzen/ Brandenburg an einem Gymnasium zurück gekommen. Dort war ein Aktionstag gegen Rassismus, wo ich ein kleines Konzert mit loopstation auf dem Schulhof hatte und einen Vortrag zum Thema „Reisen gegen Vorurteile“ über Äthiopien gehalten habe. Die Schule konnte ihren Titel „Schule mit Courage“ verteidigen und hat sich bereit erklärt eine Patenschaft mit einer äthiopischen Schule zu übernehmen. Das wird nun also das erste Pilotprojekt dieser Art werden. Wenn ihr Interesse an einer ähnlichen Aktion habt meldet euch unter info@makana-movement.de.
Fotos von der Aktion sind demnächst online.
Täterätäh ..der Gewinner für die kreativste Bemalung auf Albumgeburtstagskonzert steht nun fest. Leider müssen wir noch seinen Namen raus finden. Es ist der junge Mann, der an dem Abend seinen 19. Geburtstag feierte und später auch noch auf die Bühne geholt wurde.
Ausschlaggebend war seine Ganzkörperbemalung und sein mutiges Auftreten mit freiem Oberkörper. Wir finden so viel bunter Einfallsreichtum sollte belohnt werden! Wer kennt ihn und kann ihm Bescheid sagen, damit er sich seinen Preis abholen kann?
Vielen Dank auch an die vielen anderen bunt bemalten Menschen, die mit ihrer Ausstrahlung zu diesem wunderschönen Abend beigetragen haben. Die Aktion gilt auch für die weiteren Konzerte. Macht euch bunt – seid makana! Bis demnächst axl
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Video vom SO36 bei
habe gerade gesehen, dass schon ein video vom So36 bei you tube zu sehen ist . schööön
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Wat n Start!
Makana an Erde
Hey das war ja ein richtig berauschender Tourauftakt! Vielen Dank für das unglaubliche Release-Konzert im SO36. Das war sooooooooo schön und dazu noch heilsam. Mein Rücken, der mich schon seit einem Monat mit fiesen Schmerzen plagte, war danach endlich wieder schmerzfrei. Danke für eure positiven Schwingungen, die im wahrsten Sinne des Wortes Wunder wirkten. Ich werde mal versuchen „makana“ als Therapieform beim Gesundheitsministerium anzumelden, denn ich habe dieses Phänomen jetzt schon öfters erlebt. Also wer schreibt das Konzept, damit wir das Gesundheitssystem wirklich revolutionieren?Das hätte ja auch den positiven Nebeneffekt, dass wir dem gebeutelten Kulturbetrieb eine ganz neue Perspektive und Aufgabe geben würden. Keine Pillen mehr, sondern Konzerte auf Rezept! Leider war unsere internationale Jury an dem Abend dann so vergnügt und begeistert, dass sie sich nicht auf einen Sieger für das schönste Outfit festlegen konnten. Wir sind gerade dabei alle Fotos und Videos durch zu sehen und werden nun auf diesem Wege den Sieger ermitteln.
Bis dahin bleibt fruchtig.
Das Konzert am nächsten Tag in Singwitz stand dem in Berlin in seiner ekstatischen Atmosphäre in nix nach. Sehr angenehme Leute, prickelnde Stimmung und uuuuuuuuuaaaaaaaaaaaaah ….Worte sind keine Zeugen. Also sage ich einfach nur DANKE zu allen die dabei waren und mit ihrer Freude, Kreativität und Laune zu diesem schönen Tourstart beigetragen haben. axl
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Rückfahrt
Die Fahrt zurück wollte wieder nicht enden. Vor Dessie, wo wir wieder übernachten, gab es einen langen Stau, weil zwei entgegenkommende Trucks sich verkeilt hatten. Es war schon gegen 20Uhr und die Leute erzählten, dass sich hier schon seit 16Uhr nix mehr bewegte. Es gab einen Polizisten der wild gestikulierend versuchte die Sache zu managen, doch die Leute versuchten immer wieder auf eigener Faust sich einen Weg zu bahnen, was die Sache noch vertrackter machte. Wir hatten noch Glück, denn nach einer Stunde löste sich endlich der Knoten.
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Lalibela Tag 2
Am nächsten morgen hieß es früh aufstehen, um die Prozession der Priester zum Weihnachtsfest noch erleben zu können, die schon die ganze Nacht andauerte. Derweil Martin es vor- zog endlich mal wieder länger zu schlafen, lief ich zur größten Kirche und drängelte mich durch die Massen von Menschen, die das ganze umliegende Gelände wie Ameisen besetzt hatten. Alle blickten andächtig auf die sehr bunt gekleideten Priester, die mit prachtvollen goldbestickten Gewändern und Sonnenschirmen, ein Heiligenbild voran tragend am Rand der in den Fels eingelassenen Kirche Aufstellung nahmen. Hier wurden im wippenden Takt zum Schlag einer großen Trommel die heiligen Litaneien (Gebete) gesungen. Als ich mir das Schauspiel lange genug in der Hocke angesehen hatte und mir mein Rücken langsam unerträglich weh tat, ging ich hinunter zum Innenhof der Kirche und hatte das Glück durch den mannshohen einzigen Eingang noch in den Kirchhof zu kommen, von wo die Prozession am besten zu sehen war. Ich knipste wie ein Weltmeister bis, mit einer tiefen Verbeugung der Priester, die Zeremonie beendet wurde .Alles strömte nun wie auf Kommando aus dem Innenhof der Kirche, was an dem einzigen Ausgang zu erheblichen Engpässen führten. Die aufgestellten Polizisten hatten alle Mühe die Lage unter Kontrolle zu bringen und zückten auch mal ihren Schlagstock um sich Respekt zu schaffen. Auf dem Weg zurück zum Hotel schenkte mir ein Mädchen eine Blume.
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Schulbesuch in Äthiopien
11.1.2008 Schulbesuch bei Nazaret
Zurück in Addis hatten wir am nächsten morgen eine Verabredung mit Jo. Ich hatte sie im Flug nach Äthiopien kennen gelernt. Sie hatte uns eingeladen bei dem Besuch von zwei Schulen im Süden in die Nähe von Nazaret mit dabei zu sein. Sie unterstützte diese Schulen mit Lehrmittel und Kleidung durch eine von ihr ins Leben gerufenen Hilfsorganisation. Sie lebte eigentlich in der Schweiz, kommt aber ursprünglich aus Äthiopien und arbeitet für die UN. Einen richtigen Tross von Leuten hatte sie da zusammen getrommelt, den sie resolut aber herzlich anführte. Ihrem Temperament konnte sich keiner entziehen. Eine Powerfrau wie sie im Buche steht, die unter anderem schon mit Frau Merkel die Klimavereinbarung der UN ausgehandelt hat, als diese noch Umweltministerin unter Kohl war.
Die Straße gen Süden war in auffallend besserer Verfassung, dafür aber sehr dicht befahren. Die Städte Debre, Zeyt und Nazaret, die ich schon vor 10 Jahren gesehen hatte, wirkten sehr viel moderner, als ich sie von damals noch in Erinnerung hatte. Auch hier waren überall neue mehrstöckige Gebäude entstanden und die Infrastruktur hatte sich deutlich verbessert. Von Nazaret ging es nach Sodere und weiter über eine Schotterpiste in eine Savannenlandschaft und dann schließlich querfeldein zu einem Dorf, wo sich die erste Schule befand. Schon von weitem sahen wir eine große Gruppe von Kindern, die unter einem Baum angetreten waren. Als wir näher kamen, wurden wir durch rhythmisches Klatschen begrüßt, der Schulleiter hielt eine kleine Ansprache, dann hielt Jo eine Ansprache, die vom Schulleiter in Orominia, der Sprache der hier lebenden Volksgruppe, übersetzte wurde. Mir kam das alles ein bisschen wie Fahnenapell während meiner Schulzeit in der DDR vor. Die Kinder waren natürlich sehr niedlich und schauten uns neugierig mit großen Augen an. Nach der Begrüßung gingen die Kinder wieder in ihre Schulräume und man begann, in den Klassen die mit gebrachten Geschenke zu verteilen. Jo ließ es sich nicht nehmen, jedem Kind persönlich die Geschenke zu überreichen, was bei ca. 250 Kindern ziemlich zeitaufwendig war. Sie betonte dabei vor der Klasse, dass die Geschenke von Menschen aus der Schweiz und den USA finanziert seien und dass die Kinder fleißig lernen sollten, um so ihren Beitrag zur Entwicklung Äthiopiens zu leisten. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass es hierbei auch um publicity ging, denn es war Jo wichtig, dass Martin das Austeilen der Geschenke und die Ansprache mit seiner Kamera filmte. Die Sache bekam einen etwas inszenierten Beigeschmack. Ich setzte mich derweil in einen Klassenraum und schaute mir den Unterricht an. Ich glaube es war gerade Sprachunterricht und Deklinationen gepaukt. Die Kinder waren sehr temperamentvoll und meldeten sich sehr fleißig. Es war ein richtiger verbaler Schlagabtausch zwischen Lehrer und Schüler. So wirkte der Unterricht sehr viel lebhafter als ich es aus Deutschland gewöhnt bin. Nachdem ich in jeder Klasse „hello“ gesagt hatte, kam mir die Idee, den Kindern ein paar Lieder zu singen. Jo war gleich begeistert von der Idee und so gab es nach den Geschenken, von mir in jedem Klassenraum noch ein kleines Ständchen. Jo machte den Animator und es dauerte nicht lange, dann standen einige Kinder auf, klatschten und tanzten um mich herum. Am Ende sang die ganze Klasse „amazegenalo“ Schön. In der nächsten Schule, die ca. 20 km weiter an einer holperigen Piste lag, spielte sich das gleiche Programm ab. Fahnenapell, Ansprachen, Geschenke. Der Schulleiter schlug diesmal vor, dass ich vor der versammelten Schule spielen sollte. Ich stand auf einem Sims, vor mir so ca. 150 Schüler, die sich köstlich amüsierten, tanzten, schrien und sobald sie den Refrain gelernt hatten, lauthals mitsangen, so dass es manchmal schwer für mich wurde, vom Refrain wieder in die Strophe zu kommen. Danach sangen die Kinder für uns ein Lied „Orominia“ wozu die Akkorde von „w. c. makana“ auch passten. Zu „amazegenalo“, was ich als letztes spielte und welches die Kinder wohl am ehesten verstanden, da Kat kauen nicht gerade als tugendhaft angesehen ist, gerieten die Kids richtig außer Rand und Band und tanzten nun mit mir auf dem Sims und auch Jo legte sich richtig ins Zeug, zuckte mit den Schultern und zeigte, dass sie die traditionellen Tänze Äthiopiens noch nicht verlernt hatte. Yeah, das war ein Spaß! Mein Adrenalinhaushalt war on Top und ein Sturm der Freude brandete durch die Synapsen.
Auf dem Rückweg besuchten wir noch ein Ressort an einem kleinen See, den ich als mein kleines Paradies vor 10 Jahren wieder erkannte. Damals hatten mich Freunde aus Addis dorthin gebracht und ich konnte dort für drei Tage ganz allein in einem Gartenhaus direkt am See zwischen munter schnatternden Vögeln der Muse frönen. Nun stand da eine der exquisitesten Hotelanlagen von Äthiopien, welche von einem Amerikaner dort gebaut wurde. Wirklich sehr erlesene Architektur mit schilfgedeckten Luxushütten, modernem Wellnes-Bereich, Kuschel-Kino und allem möglichen Schnickschnack. Eine Nacht für 150$. Dementsprechend waren dort auch nur vier Gäste, doch irgendwie scheinen alle mit dem großen Touristenansturm zu rechnen und deswegen wird die Anlage zur Zeit noch um zwei weitere Gebäude ausgebaut.
Gegen Abend erreichten wir dann schließlich wieder Addis. Es war rush- hour, die Straßen waren verstopft mit Autos, die rußige Nebelschwaden in die Luft pumpten, die ganze Stadt schien auf den Beinen und ich bekam Nasenbluten.
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Lailbela Tag 1
Morgens ging es dann weiter auf der staubigen Rüttelpiste. Eigentlich hatten wir schon mehr als die Hälfte geschafft, doch die Straße wurde noch schlechter und wir konnten durchschnittlich nur 30km/h fahren und außerdem wollten wir ja auch die schönen Ausblicke genießen und an den schönen Stellen anhalten. An so einer Stelle ergab sich ein kleines Spontankonzert. Kaum hatte ich die Gitarre aus der Tasche geholt, kamen aus dem Gebüsch einige Kinder, die sich um uns herum stellten und neugierig lauschten. Es war schön, endlich mal nicht nur wegen eventueller Spenden umlagert zu werden. Bei „amazegenalo“ sangen einige Kinder mit. Mir kam die Idee so ein Ständchen, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit zu wiederholen. Gegen 19.30Uhr erreichten wir endlich Lalibela. Es war mittlerweile dunkel geworden. Die Stadt platzte aus allen Nähten. Tausende Pilger hatten sich aufgemacht, um das äthiopische Weihnachtsfest an diesem Heiligen Ort zu erleben. Es ging nur noch im Schritttempo weiter. Überall lagerten Menschen in weiß gekleideten Umhängen mit Kerzen in der Hand. Aus völlig übersteuerten Lautsprechern dröhnten Gebetsansprachen. Die Luft war erfüllt von Weihrauch. Der ganze Ort schien in eine magisch andächtige Atmosphäre getaucht, was auch bei mir trotz der Strapazen der Fahrt eine feierliche Stimmung aufkommen ließ. Ach ja richtig, beinahe hätte ich es vergessen; ich hatte mir unterwegs zusammen mit Samy ein bissel Kat besorgt und war dadurch angenehm besinnt und auch die Fahrt wurde dadurch viel erträglicher. Wir brauchten einige Zeit um unserer Herberge zu finden und mussten dann feststellen, dass die Reservierung für Martin und mich irgendwie nicht geklappt hatte. Zum Glück kannte Samy die Herbergsmutter und wir kamen schließlich in ihrem Schlafzimmer unter, was uns aber stolze 400Birr(1€ = 13,5Birr) kostete. Egal. Wir waren froh noch einen Schlafplatz in dieser Stadt gefunden zu haben. Samy und ich tranken noch ein paar Sankt Georges Bier um die aufputschende Wirkung des Kat zu mildern. Am nächsten Tag drängelten wir uns erstmal durch die Stadt und sahen riesige Menschenansammlungen um die Kirchen herum. Mönche mit freiem Oberkörper und nur mit Gebetsketten und Lendenschurz bekleidet, hielten auf der Straße gestenreiche Ansprachen an die Menschen, welche wie gebannt und voller Respekt vor ihnen verharrten. Im Gegensatz zu den meistens sehr prunkvoll und goldbestickten Priestern der äthiopisch orthodoxen Kirche, sind die Mönche richtige Asketen, die in der Wüste oder im Wald leben und sich nur von Pflanzen und der Meditation ernähren. Sie genießen eine gewisse Narrenfreiheit und stellen mitunter auch die manchmal selbstgefällige Priesterkaste an den Pranger. Bei den einfachen Menschen genießen sie großes Ansehen.
Um die Kirchen besichtigen zu dürfen, mussten wir uns erst mal ein Ticket holen, was normal für ferenshis (Ausländer) 100 Birr kostet und an Feiertagen nochmal das doppelte also 200Birr. Martin, der eine Filmerlaubnis brauchte, musste insgesamt 500 Birr blechen. Doch schon die Besichtigung der ersten Kirche rechtfertigte diese Ausgabe. Es ist bis heute nicht geklärt, wie es die Äthiopier im 11-12.Jahrhundert schafften, vollständige Kirchen mit Fenstern, Türen und Ornamenten in die riesigen Felsen zu meißeln. Die Kirchen gelten als eines der großen Weltwunder, um deren Entstehung sich geheimnisvolle Legenden ranken. Mit entsprechender Begeisterung drückte ich auf den Auslöser meiner kurz vor der Reise noch gekauften Digitalkamera. Es war auffallend wärmer hier im Norden als in Addis Ababa und die Sonne senkte sich allmählich ins Hirn. Nach der Besichtigung des zweiten Kirchenkomplexes mit drei Kirchen (insgesamt sind es 11) waren wir erst einmal körperlich und geistig erledigt und schleppten uns in ein Restaurant, wo wir auch Samy und Familie trafen. Danach waren die Batterien erst mal wieder aufgeladen und wir hatten Kraft die anderen Kirchen zu besichtigen. Auf dem Weg dorthin wurde ich von Leuten gebeten, ein Foto von ihnen zu machen und ich merkte, dass es für sie immer noch eine große Attraktion ist, ihr Abbild auf dem Display der Kamera sehen zu können. Eigentlich komme ich mir beim Fotografieren(ungefragt so- wie- so nicht) der Leute immer wie ein blöder Touri vor, aber hier hat es richtig Spaß gemacht. Die Leute umlagerten mich, zeigten auf das Display und lachten sich kaputt über die gemachten Bilder. Irgendwann landeten wir auf einem Hügel von dem man einen herrlichen Überblick auf die Stadt und Landschaft hat. Martin konnte seiner Film-Leidenschaft hier freien Lauf lassen und ich hätte gern Gitarre gespielt. Irgendwann kamen zwei kleine Jungen vorbei, die auf ihren Bauch deuteten und „hungry“ sagten. Wir dachten erst, es sei wieder so eine show, um letztendlich etwas Geld zu bekommen, doch als Martin ihnen dann tatsächlich etwas Brot gab, merkten wir, dass diese Kinder wirklich Hunger hatten. Sie bedankten sich vielmals und schlangen das trockene Brot hinunter. Plötzlich war da wieder diese andere Realität, die uns in Deutschland so völlig fremd ist und die wir daher manchmal gar nicht wahrnehmen. Hunger.
Die bedenkenlose Begeisterung war erst mal im Eimer und ich machte mich auf, den letzten Kirchenkomplex zu besichtigen. Ein sehr eigentümlicher Bau, dessen Struktur sich von den anderen meistens quadratisch angelegten Kirchen unterschied. Im Hof gab es eine lange Schlange vor einem Gang, rings herum führten weitere Gänge in das Innere der Felsenkirche. Im Inneren sah ich Menschen aus dem Untergrund über eine Treppe aufsteigen. Sie sangen und trällerten vor Begeisterung, als sie aus dem dunklen Loch kamen. Eine Frau klärte mich auf, dass diese Kirche einen unterirdischen Gang besitzt, der zur Selbsterfahrung der Hölle von den Mönchen angelegt wurde. Dafür standen die Leute also im Hof Schlange. Obwohl es schon langsam dämmerte, wollte ich natürlich auch selbst durch die Hölle gehen. Nach ca. 40 Minuten dauernden Anstehen, ging es in einen absolut finsteren Gang hinab in den Untergrund. Da die Leute alle im Gänsemarsch durch den Gang tippelten, dauerte es eine Ewigkeit. Es gab keine Luftzufuhr und die beklemmende Enge ließ Panik in mir aufkommen. Jetzt nur nicht verrückt werden, ruhig durch die Nase atmen, irgendwann muss es vorbei sein. Doch es dauerte und streckenweise steckten wir im Gang fest und erst nach gefühlten 30 Minuten ging es weiter. Die Angst von der Dunkelheit ein für alle mal verschluckt zu werden wurde immer größer. Das war wirklich ein Prüfstand für den Glauben an das Licht. Die Leute sangen spirituelle Lieder und kämpften so gegen die Finsternis. Ich war wie in Trance und meinte manchmal schon das Licht am Ende des Tunnels zu sehen, obwohl ich noch weit davon entfernt war. Jegliches Zeitgefühl war mir abhanden gekommen und ich war nur damit beschäftigt meine Angst unter Kontrolle zu bekommen. Aber dann drang endlich ein Lichtschimmer in das Dunkel des Ganges und wurde von den Menschen mit euphorischem Trällern empfangen. Als ich dann die Stufen der Treppe empor kletterte war ich voller Dankbarkeit und Freude. Draußen war die Sonne mittlerweile schon untergegangen und es war Zeit den Weg ins Hotel „Jerusalem-guesthouse“ zu finden, wo wir für diese Nacht irgendwie unter-kommen sollten. Martin, der eigentlich warten wollte, war nicht mehr da.
Die Höllenerfahrung hatte über eine Stunde gedauert. Ich lief erst mal auf einen Berg, um mir einen Überblick zu verschaffen. Ein herrliches Abendrot wurde mir beschert und ich fand den Weg zum Hotel., wo sich unsere Reisegesellschaft schon zum Abendbrot zusammen gefunden hatte. Diese Nacht übernachteten wir im Zelt auf dem Hotelgelände.
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Die Reise in den Norden
Seit zwei Tagen bin ich nun wieder in Addis Ababa zurück. Der erste Trip ins Land war anstrengend aber dafür mit vielen schönen Aussichten und Erlebnissen verbunden. Samy –hatte einen Minibus organisiert mit dem Martin und ich zusammen mit seiner Frau Heike, Tochter Belen, Nichte Samira, Fahrer Eyob und dessen Freundin am 5.1.2008 gegen 7 Uhr morgens in Richtung Norden starteten. Ich bin vor 10 Jahren schon mal in diese Richtung gefahren, allerdings auf einer anderen Straße in Richtung Tanasee – Quelle des weißen Nils. Die Straßen ausgangs von AddisAbaba waren verstopft mit hupenden und qualmenden Autos, Kühen, Eseln, Ziegen und geschäftigen Menschen, die bepackt mit Taschen und auf dem Rücken geschulterten Bündeln auf dem Weg zum Markt waren, um die letzten Einkäufe und Geschäfte vor dem Weihnachtsfest zu erledigen. Dabei fiel mir auf, dass diese Stadt sich immer weiter ausbreitet und sich mittlerweile schon die umliegenden Dörfer mit einverleibt hat. So dauerte es ungefähr eine Stunde bis wir endlich raus aus dem Trubel waren und die eindrucksvolle Landschaft bestaunen konnten. Äthiopien – auch das Dach Afrikas genannt liegt zu Hälfte in 1200 Metern Höhe und zu einem Viertel sogar über 2000Metern. Der höchste Berg ist der Ras Dashen mit 4620 Metern. Magmatische Prozesse und fortschreitende Erosion schufen eine bizarre Landschaft mit unzähligen Vulkanen (die zum Teil auch heute noch aktiv sind), isoliert stehenden Tafelbergen und fruchtbaren Hochplateaus. An den Hängen sind die Felder terrassenförmig angelegt rings um Addis wurde jeder halbwegs fruchtbare Flecken als Anbaufläche genutzt. Inmitten der Felder gab es vereinzelte Weiler mit strohgedeckten Rundhütten, die wie Pilze beieinander standen. Leider ist von der ursprünglichen Vegetation nicht mehr viel übrig geblieben. Der andauernde Holzbedarf zum Bauen und Kochen und die Gewinnung von Ackerland für die ständig wachsenden Bevölkerung führte zu Abholzung der Wälder. Nur ein paar vereinzelt stehende Affenbrotbäume lassen die frühere Vegetation noch erahnen. Es gibt ein paar Wälder mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen, die um Addis Ababa herum angepflanzt wurden, doch bei weitem nicht ausreichen die fortschreitende Erosion des Bodens aufzuhalten. Auf den Straßen tummelte sich das Viehzeug, dass sich nur durch dauerndes Hupen von der Fahrbahn fernhalten ließ, obwohl das nicht immer gelang und wir oftmals scharf bremsen mussten und dabei regelmäßig nach vorn flogen, denn Sicherheitsgurte gab es auf den Rücksitzen nicht. Vor unsere Abreise hatten wir noch zwei Holländer (Tim&Kim) kennen gelernt, die ein Hilfsprojekt am Tanasee aufbauen und uns schauerliche Geschichten von selbst erlebten Unfällen erzählten und in der Tat säumten zahlreiche Wracks, den Straßenrand. Aber all das war beim Anblick der gigantischen Landschaftsbilder vergessen, die von uns mit andächtiger Begeisterung aufgesaugt wurde. Komischerweise hatte ich dabei immer ein Lied von Jim Morisson im Kopf: „we came down from highway and forest ...“Ja irgendwie hatte das Ganze einen apokalyptischen Beigeschmack, denn ca. 80% der Straße war ein staubiger Steinacker, der uns ständig durch-schüttelte und daran erinnerte, dass die Entdeckung der Schönheiten dieses Landes immer noch ein anstrengendes Abenteuer ist. Im Nachhinein bewundere ich unseren Fahrer Eyob, der es schaffte, uns da ohne Crash hindurch zu bugsieren. Zwischendurch gab es ca.150 km richtig schnieke asphaltierte Straße, die von der europäischen Union gebaut wurde, aber letztendlich wegen politischer Differenzen nicht weiter gebaut wurde. Doch mittlerweile sind Chinesen und Koreaner dabei ,das Werk zu vollenden. Sicherlich nicht aus humanitären Gründen, sondern um sich Marktanteile und nicht zuletzt Rohstoffe zu sichern. Um so weiter wir in Richtung Norden holperten, um so öfter sah ich Dromedare auf den Straßen, die allmählich den Esel als vorherrschendes Lasttier ablösten. Die Städte die wir durchfuhren, wirkten auf mich ziemlich überlaufen und hässlich. Meistens waren es Marktplätze, die sich über die Jahre als Städte heraus gebildet hatten. Irgendwo gab es immer einen Kreisverkehr, der mit einer errichteten Stele meistens auch das Zentrum markierte, um das herum sich Geschäfte, Bars und Restaurants gruppierten. Auf einer Anhöhe stand meistens eine Kirche oder Moschee, ansonsten lebten die Leute in diesen Ortschaften in aus Wellblech und Lehm gezimmerten Häusern und Hütten. Die Lehmhütten auf dem Land wirkten auf mich gemütlicher. Wenn wir anhielten, dauerte es nicht lange bis wir von neugierigen Leuten umlagert waren, die entweder nur gucken wollten oder geröstetes Getreide, Bananen und gekochte Saubohnen feilboten. Letztere waren übrigens sehr schmackhaft. Mittag aßen wir meistens in einem der größeren Hotels, weil wir uns einbildeten, dass dort die Gefahr sich irgendeine Bakterie oder einen Virus einzufangen am geringsten war. Die angebotenen Speisen unterwegs waren ziemlich einheitlich – entweder traditionelles Essen: Injera (säuerliches Fladenbrot aus einer einheimischen Getreideart) mit verschiedenen mitunter sehr scharfen Soßen und Fleisch oder es gab Spaghetti mit scharfer Soße. Ich entschied mich meist immer für Injera, das meistens richtig lecker war.
Da die Tour nach Lalibela (642km) unmöglich an einem Tag zu schaffen war, machten wir Zwischenstation in Dessie - was übrigens auf deutsch „meine Freude“ heißt. Die Stadt wurde am Ende des 19. Jahrhunderts von einem Kaiser kurzzeitig als Residenzstadt auserkoren und ausgebaut. Wir fanden ein gutes Hotel mit schöner Aussicht und bequemen Betten aber leider in der oberen Etage ohne fließendes Wasser. Abends ging ich noch auf die Suche nach einem Internetplatz. Dabei lernte ich Erimias kennen, der mit mir sämtliche Internetkaffees der Stadt abklapperte und schließlich noch ein offenes fand. Es dauerte auch hier wieder sehr lange bis sich die Serverseite hoch geladen hatte, aber die Leute waren sehr freundlich und wir kamen ins Gespräch. Erimias lud mich dann noch in eine Art Bar-Disco ein, wo auffallend viele Männer und ein paar aufgetakelte Barladys herum standen – „bitches“ wie Erimias meinte. Eigentlich war ich total müde, doch die sympathische Art und die ungefragt nachbestellten Getränke, machten es schwer los zu kommen. Wie schon auf der Straße in Dessie, wo ich das erste Mal ohne Hut in der Öffentlichkeit herum lief, amüsierten sich die Leute über meinen Haarschnitt und verglichen mich immer mit irgend welchen Fußball-Berühmtheiten ala David Beckham. Manche Leute kamen gar zu mir an den Tisch und bekundeten ihre Begeisterung für meine Haarpracht. Schließlich kam auch eine Barlady in hochhackigen Schuhen und weitem Ausschnitt an meinen Platz und meinte zu Erimias, dass sie meine Haare so toll finde und sich in mich verliebt hätte. Das war dann endlich das Zeichen zum gehen.
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